Der Flächenverbrauch in Hessen soll deutlich stärker als bisher eingedämmt und landwirtschaftliche Böden besonders geschützt werden. Dabei ist es mir übrigens egal wie "wertvoll" diese Böden sind. Diese Haltung sähe ich mit meiner GRÜNEN Fraktion gerne auch beim Wetterauer Kreisausschuss. Wir werden dazu einen Antrag in den kommenden Kreistag einbringen.

Die Planungen für Logistikzentren im nördlichen Rhein-Main-Gebiet haben eine breite Diskussion bei uns vor Ort ausgelöst. Im Fall des in Berstadt geplanten Rewe-Logistikzentrums haben Naturschutzverbände, Kirchen und der Regionalbauernverband erstmals eine gemeinsame Initiative gegründet. Zusammen mit einem sehr aktiven Bündnis in Echzell und Wölfersheim kritisieren wir, dass die jahrtausendealte Funktion der Wetterau als Kornkammer der Region für Siedlungen, Gewerbe und Straßen geopfert wird. Ähnliches spielt sich gerade bei Limeshain, Lich und Münchholzhausen ab.

Boden ist endlich und seine Zerstörung unwiderruflich. Diejenigen, die von regionaler Ernährung und Nachhaltigkeit reden, sollten auch so handeln und nicht ständig wertvolle Flächen für kurzfristige Ziele opfern. Schon in den letzten beiden Jahrzehnten wurden jährlich über 100 Hektar Boden im Wetteraukreis versiegelt. Nach derzeitigen Planungen ist kein Ende absehbar.

Mein Fraktionsvorsitzender und Wölfersheimer Gemeindevertreter Michael Rückl hat dazu schon mehrfach gesagt: „Eigentlich sollen Landesraumplanung und kommunale Flächennutzungsplanung Schutzfunktionen für die Umwelt wahrnehmen. Doch regelmäßig fallen die in der Abwägung hinten runter. Mit dem Arbeitsplatzargument versuchen Unternehmen, sich Vorteile beim Verteilungskampf zu verschaffen. Und Kommunen hoffen, davon zu profitieren“. Das sehe ich natürlich auch so.

Dabei darf es nicht länger darum gehen, Unternehmen jeden Wunsch zu genehmigen. Auch sie müssen akzeptieren, dass Flächen endlich sind. Der Fall Rewe zeigt musterhaft das Versagen der Regionalpolitik. Aus den Planungsunterlagen wird klar, dass das Vorhaben gegen alle Gebote klima- und flächenschonenden Bauens verstößt. Trotzdem sollen alle Genehmigungsprobleme aus dem Weg geräumt werden. Regionalversammlung und Verbandskammer erweisen sich so als Wegbereiter des Flächenfraßes und als Gefahr für Natur-, Umwelt- und Klimaschutz.

Umdenken ist notwendig. Die Ansiedlung von immer mehr Großunternehmen in Ballungsräumen verschärft Verkehrsprobleme statt sie zu lösen. Nachhaltig wäre, in regionalen Wirtschaftskreisläufen zu denken, von denen auch ländliche Räume und kleinere, handwerkliche Unternehmen etwas haben. Dann wäre es auch attraktiv, im ländlichen Raum zu wohnen und nicht die Wohnungsnot im Ballungsraum weiter zu verschärfen. Beim zweifellos nötigen Wohnungsbau muss Innenentwicklung, Umnutzung bestehenden Wohnraumes und Verdichtung entlang einer besser ausgebauten Schiene Vorrang haben.

Aktuelles Landesziel ist die Reduzierung des Flächenverbrauchs auf 2,5 Hektar pro Tag. Das hilft der Wetterau wenig, ist sie doch vom Flächenverbrauch weit überdurchschnittlich betroffen. Deshalb wollen wir eine Entschließung des Kreistages, die vom Land eine Zielgröße deutlich unter 2 ha am Tag und langfristig einen Netto-Null-Verbrauch verlangt. Ich glaube, dass die Nachbarkreise uns das bald nachmachen werden. Aber wir müssen aufpassen. In den letzten Wochen sind schon "Baulandoptimierer" aufgetreten, die ihre Vorhaben damit durchdrücken wollten, dass die betroffenen Äcker ‚nicht ganz so wertvoll‘ seien. So etwas kennen wir vom Umgang mit den Begriffen ‚nachhaltig‘ oder ‚regional‘ – die reine Willkür. Besonderen Schutz genießen natürlich hochproduktive Ackerböden, weil sie für die Landwirtschaft und Ernährung so wichtig sind. Alle Böden haben aber wichtige Funktionen für die Ökologie, die unproduktiveren sogar besonders für den Artenschutz.
Unseren Böden geht es dreckig – Lasst uns was dagegen tun !

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok