Eine Wirtschaftspolitik für den Wetteraukreis soll sich an den eigenen Potenzialen orientieren und in kleineren Kreisläufen denken. Das macht uns unabhängiger von Großinvestoren und nützt unseren Handwerksbetrieben. Der Sog in die Zentren ist überall stark und wir werden das alleine nicht stoppen, aber es ist m.E. falsch, dass auch noch zu fördern, nur um daran teilzuhaben. Einem kurzfristigen Profit an einer Stelle, in einem Kreis oder einer Gemeinde steht fast immer ein Verlust an anderer Stelle gegenüber. In der Produktion, vor allem bei Lebensmitteln ist bei uns kaum noch Wachstum möglich und auch nicht nötig. Wachstum findet heute eher im Dienstleistungssektor statt. In der Produktion ist es für die Wetterau aus meiner Sicht besonders erfolgversprechend, wenn kurze Wertschöpfungsketten entstehen und ein Produkt bis zur höchsten Veredelungsstufe in der Region bleibt.

Bei fast allen Großprojekten, z.B. den Logistikzentren geht es um Kostensenkung durch interne Optimierung, betriebswirtschaftliche Effektivitätssteigerung ist volkswirtschaftlich nicht immer effizient. Dadurch entstehen keine neuen Arbeitsplätze.

Wirklich hilfreich für die ländlichen Räume ist Digitalisierung und nicht der Bau von Logistikzentren und Umgehungsstraßen, das ist Denken des letzten Jahrhunderts. Auch die Logistik des nächsten Jahrzehnts wird digitalisiert sein, und Bauten wie die, über die in Wölfersheim oder Büdingen gestritten wird werden dann menschenleer sein.

Das gilt leider heute auch schon für viele ländliche Räume: Kapital, Nachfrage, Arbeitsplätze, später Infrastruktur und soziale Einrichtungen werden aus peripheren Räumen, und das ist bei uns schon der östliche Wetteraukreis und der Vogelsbergkreis, abgezogen. Der ländliche Raum wird ärmer und leerer und der Ballungsraum noch reicher und dichter, beides mit negativen Folgen für die Umwelt und was die Ernährung angeht auch den Selbstversorgungsgrad, erst recht wenn es regional und bio sein soll.

Auch politisch kommt es zu Brüchen, denn die zunehmenden Verlustängste helfen in den wirtschaftlich abbauenden Teilregionen vor allem der AfD und im südöstlichen Wetteraukreis sogar der NPD.

Der Zielkonflikt ist also ganz offensichtlich, aber die Entscheidungen in Kreisausschuss, Kreistag und Regionalverband fallen so, wie seit den 80ern üblich, also zugunsten des Betons, des Asphalts, des kurzfristigen Denkens bis zur nächsten Wahl und werden nur mit Nachhaltigkeitsrhetorik geschönt.

Politik heißt aber Gestalten und nicht sich-treiben lassen! Das sollte für den Wetteraukreis und den Regionalverband bedeuten, dass hier zum Wohle des Ganzen gegengesteuert werden muss.

Wir brauchen eine Renaissance der Mittelzentren, eine aktive Steuerung von Investitionen der gewünschten Art mit dem Planungsrecht und vor alledem müsste eine Strategie, ein Leitbild stehen, das sich am Ausgleich zwischen den Kreisteilen orientiert. Eine Stärkung des Ostkreises bedeutet schließlich auch eine Entlastung für den Westkreis.

Wetterau ist was wir draus machen ! Wir brauchen einen Wechsel !

 

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