So habe ich meine Tour mit dem Europaparlamentarier Martin Häusling durch den oberhessischen Teil der Wetterau genannt. Wir liegen tatsächlich fast genau in der Mitte der heutigen EU. Wenn die Briten aussteigen wird sich dieses Zentrum etwas nach Südosten verschieben.

Die Wetterau ist zu schön und ihre Böden zu gut, um sie zum Lagerplatz und Zubringer für das Rhein-Main-Gebiet zu machen. Deshalb haben wir auf dem Acker bei Büdingen-Eckartshausen begonnen. Zusammen mit Sylvia Klein aus Büdingen und Landwirten vor Ort beschrieb ich den massiven und immer noch ungebremsten Flächenverbrauch in den guten landwirtschaftlichen Lagen nördlich und östlich von Frankfurt. In den letzten Jahren sind wir fast regelmäßig über 100 ha Verlust im Kreis gekommen, das sind etwa 150 Fußballfelder im Jahr und viel zu oft waren die besten Ackerböden betroffen.

Sylvia Klein hat das bestätigt: “Verschiedene Logistiker und die großen Lebensmittelkonzerne versuchen sich die besten Plätze an der Autobahn zur Versorgung der boomenden Region zu sichern. Das alles schafft kaum Arbeitsplätze und Steuereinnahmen und ist objektiv auch nicht nötig, denn in den Großstädten Europas herrscht Überversorgung mit allem und hier geht es nur noch um Preisdrücken, Internethandel und Marktmacht. Wir unterstützen auch hier ein Bündnis aus Kirchen, Naturschutzverbänden und Landwirtschaftsverbänden, wie es auch schon gegen das REWE-Projekt bei Wölfersheim gegründet wurde.“

Mit dabei waren auch Christoph Förster, Biolandwirt und Pächter der Domäne Marienborn, er sagte zum wiederholten Male dazu: „Dem ländlichen Raum dient es nicht, wenn Investitionen nur noch an den Autobahnen Richtung Frankfurt konzentriert wird und die landwirtschaftlichen Betriebe, die für eine regionale Ernährung sorgen sollen werden durch diesen Flächenverlust zunehmend bedroht“.

Ich meine es macht viel mehr Sinn, den Menschen in den ländlichen Räumen die gleichen Lebensbedingungen zu bieten wie in den Städten, so steht es auch in unserer Verfassung. Wohnraum gibt es auf dem Land genug, nur eben immer weniger Arbeitsplätze, mässigen öffentlichen Nahverkehr, immer weniger Ärztinnen und ein schrumpfendes Kulturangebot. Das zu ändern muss Vorrang haben, anstatt dem Trend zur Urbanisierung nachzulaufen um noch einen kleinen Profit für sich rauszuschlagen. So schützen wir am besten unsere Landschaft, unsere Ernährungsgrundlage und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Mit Kultur auf dem Land ging es weiter. Die nächste Station führte unsere Gruppe auf den Glauberg inklusive einer kurzen Besichtigung der Keltenwelt. Martin Häusling hatte das Museumsgebäude zuletzt im Rohbau gesehen und war von der Architektur beeindruckt. Wir können auch stolz sein, dass unsere frühe Geschichte durch so ein gelungenes, modernes Gebäude repräsentiert wird. Die Keltenwelt am Glauberg ist ein echtes Highlight für Oberhessen und bietet einen attraktiven Ausgangspunkt für mehr Nahtourismus. Jetzt braucht es noch Investitionen in Gastronomie. Verbesserungsbedürftig ist Erschließung auf der Schiene. Die Horlofftalbahn wird kommen, was wir Grüne immer gefordert haben und was dem ganzen östlichen Wetteraukreis gut tut. Darüber hinaus brauchen wir eine engere oder alternierende Taktung, um die südöstliche Wetterau von Frankfurt und Bad Vilbel für den Kurzzeittourismus am Wochenende und umgekehrt auch für die Pendler schneller erreichbar zu machen.

Konradsdorf war das letzte Ziel der Rundreise. Im gemütlichen Hofcafe der Domäne trafen wir den Biobauern Helmut Keller, der die Domäne biologisch bewirtschaftet. Er berichtete uns über die Folgen des Dürresommers. Futterbaubetriebe wie seiner haben größere Probleme als Ackerbauern, deshalb werden viele Winterfutter zukaufen müssen.

Martin Häusling zum Ökolandbau:“ Der Ökolandbau ist in Hessen auf einem guten Weg. Wir sind in den letzten vier Jahren in eine bundesweite Spitzenposition gekommen und das ist auch marktkonform, denn Verbraucherinnen und Verbraucher verlangen nach mehr Ökoprodukten aus der Wetterau“. In Regionen mit sehr guten Produktionsbedingungen wie der Wetterau dauert es erfahrungsgemäß etwas länger, bis die Betriebe umstellen, das kenne ich auch aus anderen Teilen Europas und meiner nordhessischen Heimat. Die Wachstumsraten der Agrarumweltprogramme waren in Hessen in den Jahren seit der Regierungsbeteiligung der Grünen sehr hoch. Es kommt jetzt darauf an, dass die europäische Förderpolitik von der Gießkannenpolitik auf das Prinzip ‚öffentliches Geld für öffentliche Leistung‘ wechselt und nach dem Vorbild Hessens dieses Wachstum verlässlich unterstützt“.

Ich habe das auch so wahrgenommen. Konventionell und ökologisch arbeitende Bäuerinnen und Bauern tauschen sich mehr aus und lernen voneinander. Öko-Fruchtfolgen sind auch widerstandsfähiger gegen Schädlinge und auch Dürre. Die Ernennung des Wetteraukreises zur Ökolandbau-Modellregion durch das Land Hessen hat das Interesse in der heimischen Landwirtschaft an dieser Bewirtschaftungsform noch verstärkt. Wir sind auf dem richtigen Weg. Wer heute noch auf die angeblichen Nachteile von ‚öko‘ und den Gegensatz zu ‚konventionell‘ hinweist, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden.

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