Grüne besuchen Verein für Solidarische Landwirtschaft in Nidda-Wallernhausen

„Vor Jahren hätte noch niemand für möglich gehalten, dass es solch eine Renaissance des Ernährungsbewusstseins geben würde“, sagte Thomas Zebunke, Direktkandidat der Wetterauer Grünen für den Wahlkreis 26 (Wetterau II – Ost), beim Besuch des Vorsitzenden der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag, Mathias Wagner in Nidda-Wallernhausen. „Hier bei der Solidarischen Landwirtschaft „Bunter-Acker Nidda-Wallernhausen“ geht es um Ernährung und Ernährungsbildung, ein Ansatz der völlig ohne staatliche Unterstützung aus bürgerschaftlichem Engagement entstand und sich prima entwickelt“, so Zebunke weiter.

Bettina Dascher, Stadtverordnete der Grünen in Nidda ergänzt: „Das ist sozusagen das Gegenstück zum‚ Urban Gardening‘ in den Großstädten. Die Menschen sind nicht mehr mit dem einverstanden, was ihnen zum Essen vorgesetzt wird. Sie wollen genau wissen, wo das Erzeugnis herkommt und auch ihre unmittelbare Umgebung mitgestalten - hier eben nicht auf Dächern und Balkonen, sondern auf Äckern. Die waren schon immer Äcker, aber jetzt wird über ihre Nutzung gesprochen, und zwar mit der Bäuerin oder dem Bauern und anderen, die dasselbe Ziel haben.“

Ein solches Projekt braucht immer auch Menschen, die es zum richtigen Zeitpunkt in die Hand nehmen. So einer und nebenbei selbst Landwirt, ist Frank Lusche, der das Projekt mit dem Biobauern Wolfgang Koch zusammen vorantreibt: „Die Schnittstelle ist der praktische Landwirt, der das Know-How über Pflanzen und Anbau schon immer hatte, nun aber seine Kunden persönlich kennt und nicht mehr für einen anonymen Markt produzieren muss. Die Kunden danken es, indem sie uns die Abnahme für Monate im Voraus zusichern und uns bei der Handarbeit, die im ökologischen Landbau mehr anfällt, als wenn wir spritzen würden, sogar helfen. Das Ganze bedeutet mehr Respekt gegenüber uns Landwirten und gegenüber dem Lebensmittel“.

Thomas Zebunke, Agraringenieur und Mitglied des Wetterauer Kreistags kommentiert die Entwicklung des Ökolandbaus in der Wetterau: „Wir waren von der Akzeptanz, die der Ökolandbau in der Wetterau gewonnen hat, überrascht. In Gunstregionen mit ihren guten Böden ist der Ökoanteil deutlich niedriger als in den Mittelgebirgen. Viel hängt aber am persönlichen Engagement der Ehrenamtlichen, so war es in der Startphase der Ökolandbau-Modellregion und so ist es auch bei der ‚Solidarischen Landwirtschaft‘ in Wallernhausen gewesen.

Inzwischen können wir zum dritten Mal Biowochen in der Wetterau feiern. Das findet viel Interesse und Anerkennung, und es kommt auch zu einem fairen Austausch zwischen Biobäuerinnen und ‑bauern und ihren konventionellen Kollegen.

Es geht hier nicht um eine Ideologie für Wohlhabende, sondern um Zukunftssicherung und Marktorientierung. Die Ökomodellregionen tragen dazu bei, dass ein größeres Bio-Angebot aus Hessen, zu den hessischen Verbraucherinnen und Verbrauchern kommt und unterstützen so auch noch die handwerkliche Verarbeitung und Direktvermarktung. Ein gutes Beispiel, wie mehr Wertschöpfung und damit Arbeit und Lebensqualität in der östlichen Wetterau bleibt.“

Hintergrund:

Der Verein „Solidarische Landwirtschaft Bunter-Acker Nidda-Wallernhausen“ e.V. ist an den Biohof von Wolfgang Koch angegliedert. Die Mitglieder des 2017 aus einer losen Gemeinschaft entstandenen Vereins beraten zu Beginn jeden Kalenderjahres gemeinsam, was angebaut werden soll und welches Budget dafür nötig ist. „Die Vereinsmitglieder entscheiden gemeinsam, sie sichern gemeinsam das Budget und erhalten dafür einen Teil der Ernte.“ Dieses solidarische Modell wird auch kurz ,SoLaWi‘ genannt und kommt in Hessen inzwischen an verschiedenen Stellen vor, so auch in Friedberg-Dorheim.

Mit einem Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen von 13,5 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Hessen (Bundesschnitt: 7,5 Prozent, EU: 6,5 Prozent) ist Hessen bundesweit Spitze. Seit Anfang 2018 gibt es in Hessen über 2.000 kontrolliert-ökologische Erzeugerbetriebe.

Der bundesweite Marktanteil der Öko- Lebensmittel liegt über 5% (in den Ballungsräumen sogar höher), und macht 10 Mrd. Euro Umsatz im Jahr. Die 13,5% der landwirtschaftlichen Nutzfläche und 12,5% der Betriebe in Hessen, die ökologisch wirtschaften, sind bundesweit ein Spitzenwert. Die Wetterau liegt wie andere Ackerbauregionen bisher noch unter dem Bundesdurchschnitt.

Die Wetterau war eine der ersten hessischen Ökolandbau-Modellregionen, deren Zahl die hessische Landwirtschaftsministerin Hinz inzwischen auf 8 Landkreise und 12 Städte erhöht hat. Mit 12 neuen Öko-Betrieben und knapp 800 ha Flächenzuwachs in drei Jahren hat die Wetterau deutlich zugelegt.

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