Herr Zebunke, Sie haben in diesem Jahr schon einen Landratswahlkampf hinter sich – warum jetzt auch noch die Landtagswahl?

Der Landratswahlkampf ist überraschend gut für mich gelaufen. Wenn ich die Möglichkeiten und die Zeit der Bewerber*innen der großen Koalition gehabt hätte, wäre sogar die Stichwahl drin gewesen. Das zeigt auch, die Arbeit der Grünen im Kreistag wird wahrgenommen. Beides zusammen wollen wir nutzen, um für die Landtagswahl anzubieten, was die anderen Parteien nicht können, und auch die Vielfalt der Argumente gegen Rechts verstärken.

Mir und meinen Parteifreundinnen und Freunden ist es wichtig, der Verrohung und den Lügengebäuden der Rechtsextremen etwas entgegenzusetzen, damit es im hessischen Landtag nicht zu solchen Entgleisungen kommt wie es sie leider seit vergangenem Herbst im Deutschen Bundestag gibt.

Und warum kandidieren Sie im östlichen Wetteraukreis (Oberhessen)?

Meine Stärke sind die Themen des ländlichen Raumes - Grundausstattung mit öffentlichen Diensten, medizinische Versorgung, Verkehrsanbindung, Kultur- und Sportangebot. Dazu Agrarpolitik im weiteren Sinne und eine Umweltpolitik, die auf einem anderen wirtschaftlichen Denken aufbaut. Diese Themen werden im „Ostkreis“ stärker nachgefragt, und deshalb wurde ich gebeten, dort anzutreten. Mir ist es wichtig, nach vorne zu bringen, was die anderen Kandidaten bestenfalls in Sonntagsreden besetzen können, und Menschen mitzunehmen, die noch nicht den Kontakt zur Landespolitik gefunden oder schon wieder verloren haben. Die Wetterau kann mehr, das will ich weiter denken.

Was ist Ihre Wahlkampfstrategie, Ihr Ziel?

Ich werde da anfangen wo ich bei der Landratswahl im März aufgehört habe, das heißt kommunal ausgerichtet mit bundes- und europapolitischem Überbau. Es wäre völlig unrealistisch, an einen Wahlsieg, also das Erringen des Direktmandates zu denken, aber ich will ein zweistelliges Ergebnis einbringen. Das haben die Grünen in der östlichen Wetterau noch nie geschafft Dabei gewinnen wir auch mehr Zweitstimmen, und das ist dann mein Beitrag dazu, dass die Grünen in Wiesbaden an der nächsten Regierungskoalition beteiligt sind.

Wie werden Sie dabei unterstützt?

Wie schon beim letzten Mal habe ich ein vielseitiges Team zusammengestellt. Wir treten mit drei KandidatInnen mit unterschiedlichen Schwerpunkten an und werden uns auch gegenseitig vertreten. Und wir haben mit unserer Kreisvorsitzenden Kathrin Anders einen aussichtsreichen Listenplatz besetzt. So gut waren die Wetterauer Grünen lange nicht für einen Wahlkampf aufgestellt.

Wird es denn dafür in Wiesbaden reichen?

Die Alternativen sind nach den derzeitigen Umfrageergebnissen eine große Koalition oder ein Dreierbündnis. Eine große Koalition wäre die schlechteste Lösung, und wenn es denn unvermeidbar ist, soll es wenigstens nicht zu solchen Zuständen wie in Berlin in den letzten Monaten kommen.

Bei einer Jamaikakonstellation kann ich nur hoffen, dass die FDP sich auf ihre liberalen Wurzeln besinnt und sich nicht so verhält wie nach den Sondierungsgesprächen auf Bundesebene oder zu einer Art hessischer CSU wird.

Sehr charmant fände ich eine „Kenia“-Konstellation mit CDU und SPD. Es hängt aber viel davon ab, ob es den beiden größeren Parteien gelingt, Wechselwähler zurückzuholen und damit die rechtsextreme AfD einstellig zu halten.

Was qualifiziert Sie denn außer Ihrem fachlichen Hintergrund für ein Landtagsmandat?

Ich weiß, wie Politik umgesetzt wird, wie Wiesbaden und natürlich die Kreispolitik funktionieren. Ich bin mit allen Themen des ländlichen Raumes vertraut, kenne die wesentlichen Akteure in den Verbänden und in der Fachwelt.

Ich glaube, ich bin ganz gut in Kommunikation aller Art, und wie ich schon im Frühjahr gemerkt habe, akzeptieren mich die Leute als neues Gesicht in der regionalen Politik, erfahren genug, aber noch lange nicht verbraucht.

Kleiner Test, wie gut Sie die Wetterau kennen: Bitte nennen Sie die drei größten Stärken und Schwächen Ihres Wahlkreises

Stärken sind 1. die Dynamik und Schaffenskraft der Einwohner, 2. die Lage im Herzen von Europa und 3. die landschaftliche Vielfalt. Als nachteilig sehe ich, dass 1. Verkehrsmittel falsch entwickelt werden, 2. die Beziehung zur Großstadt schlecht gestaltet wird, im Westkreis wird alles dem Sog nach Frankfurt untergeordnet und der Ostkreis verliert den Anschluss 3. dass die tolle Landschaft durch übertriebene Nutzung stellenweise zerstört wird. Es war ein schwieriger Weg, hier Landschaftspflege und extensive Landwirtschaft zu etablieren. Aber inzwischen sind wir Modellregion für Ökolandbau – da bewegt sich also was, auch im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher, und nicht alles in der Wetterauer Land- und Forstwirtschaft ist schlecht.

Woran merkt man dem Privatmenschen Thomas Zebunke an, dass er Grüner ist?

Ich reduziere das Auto fahren weitgehend, fahre seit vier Jahren Hybrid und will bald auf Elektro umsteigen. Ich versuche, soweit es geht Energie zu sparen und beim Konsum auf umweltschädliche Dinge zu verzichten, aber ich bin noch lange nicht perfekt. Ich bilde mir schnell eine Meinung auf Faktenbasis, teile die auch bei passender Gelegenheit mit und versuche, die Menschen für die ökologische Mitte zu gewinnen. Ich leide, wenn ich Naturzerstörung oder Tierquälerei erleben muss, die Ignoranz gegenüber dem Klimawandel und den Fluchtursachen vor allem in Afrika, soziale Ungerechtigkeit und Rechtsradikalismus macht mich auch schon mal wütend.

Sie wirken immer recht sachlich und ernst. Können sie auch volksnah?

Echt, ist das so? Eigentlich liebe ich Kommunikation, und im Straßenwahlkampf funktioniert das auch ganz gut. Berührungsängste habe ich keine, das habe ich mir schon abgewöhnen müssen, als ich noch mit einer Street-Band durchs Land gezogen bin. Auch im sportlichen Wettkampf oder in der Fankurve im Waldstadion bin ich ein anderer. Mit dem Wetterauer Menschenschlag komme ich sehr gut zurecht. Was ich allerdings nie machen werde, ist, nur wegen eines Fotos für ein paar Minuten zu einer Veranstaltung zu gehen. Ich werde immer versuchen, ein Angebot mitzubringen und eine Erfahrung mitzunehmen - und das heißt reden und zuhören.

Was werden Sie nach der Landtagswahl machen, wenn Sie nicht in den Landtag kommen?

Weiter meiner Arbeit im Kreistag und im Umweltministerium nachgehen, den Winterurlaub planen und vielleicht mal wieder zu einer Jam-Session gehen.

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