Für das Gewerbegebiet Dorheim West in Friedberg soll der Bebauungsplan geändert werden, die Nutzung aber die gleiche bleiben. Für die GRÜNEN wäre das eine vertane Chance und ein weiteres Zeichen für den planerischen Stillstand in Friedberg.

Dr. Nicholas Hollmann, der für uns die Stadtentwicklung in der Friedberger Stadtverordnetenversammlung hat sich mit mir so dazu geäussert:

Wer von der Bundesstraße 3 auf die B 455 in Richtung Dorheim abbiegt, der sieht auf der rechten Seite das große Gelände, auf dem ständig etwa 1000 Fahrzeuge eines großen Autohauses stehen. Die Fahrzeuge kommen aus ganz Europa und den USA und werden in dem Logistikzentrum in Friedberg Dorheim zwischengelagert. Abgesehen davon, dass schon allein das reichlich anachronistisch anmutet in Zeiten von Digitalisierung und Just-in-time-Produktion, ist diese Art der Nutzung laut Bebauungsplan auch gar nicht zulässig. Möglich macht sie lediglich eine zeitlich befristete Ausnahmegenehmigung, die noch bis Ende des Jahres gültig ist. Nun soll diese Ausnahmegenehmigung in einem Satzungsbeschluss in der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 10. Dezember durch die Änderung des Bebauungsplans in geltendes Recht umgewandelt werden. Damit wäre eine weitere Chance vertan, die Nutzung von Flächen in Friedberg neu auszurichten - nachhaltig und zukunftsweisend. Diese Art der Nutzung ist ein Unding. Angesichts der Knappheit von Flächen kann es nicht angehen, dass wertvoller Grund und Boden als billige Lagerfläche für Überproduktionen der Autoindustrie genutzt wird. Auch wenn die Fläche bereits versiegelt ist, hat sie für den Bodenschutz einen Wert. Denn wenn die Fläche beispielsweise für eine Einrichtung der Daseinsvorsorge genutzt werden kann, muss anderswo keine neue Fläche versiegelt werden. Dieses Vorgehen schreibt auch das Baugesetzbuch vor. In der Bodenschutzklausel heißt es: 'Mit Grund und Boden soll sparsam und schonend umgegangen werden; dabei sind … die Möglichkeiten der Entwicklung der Gemeinde insbesondere durch Wiedernutzbarmachung von Flächen, Nachverdichtung und andere Maßnahmen zur Innenentwicklung zu nutzen sowie Bodenversiegelungen auf das notwendige Maß zu begrenzen.' Außerdem können hier kleinere Gewerbebetriebe angesiedelt werden, die oft nach solchen Flächen suchen und wesentlich mehr Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Innovation in die Stadt bringen als ein Autolager. Daher wollen die Grünen, dass sich die Stadt die Option für eine nachhaltigere Nutzung der Fläche offen hält. Die Stadt darf die Nutzung nicht als schnöden Parkplatz für die Zukunft festschreiben. Die Verwaltung muss das gesamte Stadtgebiet im Blick haben, dafür bräuchte es so etwas wie ein Flächenmanagement. Wenn auf der einen Seite die Mehrheit der Stadtverordneten der Argumentation der GRÜNEN folgt, keinen wertvollen Acker für die Kita Taunusstraße zu opfern, sondern stattdessen bereits vorhandene und entwickelte Flächen zu nutzen, dann können wir auf der anderen Seite nicht ohne Not eine wertvolle Gewerbefläche als Abstellplatz für Autos vorhalten und dies dann auch noch im B-Plan festschreiben. Die GRÜNEN plädieren deshalb dafür, den Bebauungsplans zu diesem Zeitpunkt nicht zu ändern, sondern die Ausnahmegenehmigung um ein Jahr zu verlängern. Damit hielte sich die Stadt die Option offen, mittelfristig auf eine nachhaltigere und zukunftsweisende Nutzung der Fläche in Dorheim West hinzuwirken. Nicht nur der Umgang mit der Kaiserstraße und den Ray Barracks ist entscheidend für die weitere Entwicklung Friedbergs, auch in Dorheim West wird sich zeigen, ob die Stadt Mut hat für Veränderung.

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