Die Ressourcen, die die Welt in einem Jahr neu generieren kann, sind für 2019 seit einer Woche verbraucht. In 2020 wird diese Marke noch ein paar Tage früher liegen, vor zwei Jahren war es der Tag an dem ich das hier veröffentliche, also der 5. August.

 

Dieses Problem dient leider immer wieder als Tummelplatz für Klimawandelleugner, Sonntagsredner und Wohlstandsfetischisten meistens aus dem rechten und leider auch immer öfter aus dem liberalen Lager. Ihre täglichen Posts, meist noch mit etwas ‚Greta-Häme‘ verbunden, nerven. Die Energieproduktion zu modernisieren, Landwirtschaft auf öko umzustellen, Fleischkonsum zu verringern, weniger fliegen, für sie ist das alles nur grünes Hirngespinst und Regulierungswut. Letztendlich kommt es diesen Protagonisten nur darauf an, ihrer Wählerschaft zu suggerieren: Mit uns müsst Ihr Euch nicht ändern, wir versorgen Euch weiter mit Wohlstand.

 

Ein wirklicher Umbruch ist nicht in Sicht, auch wenn junge Menschen für eine neue Klimapolitik protestieren, die Grünen Spitzenwerte erreichen und sogar Markus Söder Sprüche macht wie einst der weise Klaus Töpfer.

Überhaupt sind die meisten der so hitzig diskutierten Erkenntnisse schon Jahrzehnte bekannt, die Älteren unter uns lasen noch deren Anfänge in den Veröffentlichungen des Club of Rome, Global 2000 usw., viele aktuelle kamen bis heute dazu und bestätigten das Befürchtete nur mit dieser Geschwindigkeit hat niemand gerechnet.

 

Das 1,5-Grad-Ziel wird kaum noch zu erreichen sein, aber selbst um die völkerrechtlich verbindliche Zwei-Grad-Obergrenze einzuhalten, müsste die Pro-Kopf-Emission weltweit deutlich unter zwei Tonnen pro Jahr sinken, schreibt das Bundesministerium für Umwelt, in Deutschland liegen wir bei rund 10 Tonnen. Oder noch konkreter: Wir müssen in Deutschland um die Klimaziele zu erreichen sowohl bei Photovoltaik als auch bei Windkraft den Ertrag versiebenfachen und dazu noch heutigen Energieverbrauch in Verkehr, Gebäuden, Industrie bis 2030 oder 20135 halbieren!

 

Diese Notwendigkeit zu bestreiten wäre genauso fatal wie den Klimawandel selbst zu leugnen und Innovationsglaube reicht da nicht. Daran etwas ändern zu wollen heißt für uns im Westen und im Norden der Erde auch Mäßigung. Alleine schon der schieren Masse unserer Emissionen wegen, aber auch wegen der Vorbildwirkung. Je früher wir damit anfangen, umso besser und leichter und unter Entzug leiden wird niemand, wenn es intelligent gemacht wird.

 

Die Verteuerung der schädlichen Konsumgewohnheiten ist der richtige Weg, vor allem wenn die daraus generierten Mehreinnahmen sofort in Verkehrs-, Agrar- und Energiewende, aber auch Bildung und Sozialpolitik investiert werden. Reine marktwirtschaftliche Regelungen reichen bestimmt nicht. Gesetzliche Regelungen sind nötig, die alle einbinden, Reich und Arm gleichermaßen und das ist auch völlig normal, solange Politik Wirtschaft steuert und nicht umgekehrt.

Vielleicht beeindruckt es ja die Kritiker, das schon Bismarck die Sozialversicherung per Gesetz eingeführt hat, das es Unfallverhütungsvorschriften gibt und selbst Autofetischisten akzeptieren, dass es eine Straßenverkehrsordnung gibt und wenn Nachbars Konstruktionen und Bepflanzungen zu viel Schatten auf das eigene Grundstück oder den eigenen Balkon werfen, wird ja auch gerne die Bauordnung bemüht.

 

Also: Um nicht weiter auf Kosten anderer Teile dieser Erde und zukünftiger Generationen zu leben brauchen wir beides, angemessene Kosten für Konsum und gesetzliche Regelungen als Basisabsicherung für alle. Dann fällt der ‚World-Overshoot-Day‘ vielleicht auch mal wieder auf Weihnachten, wie es in den 80er Jahren noch war. Übrigens: Nur auf Deutschland bezogen war er nicht am 29. Juli, sondern schon im April !

 

 

 

Weiter geht es hier in wenigen Tagen wieder mit einem kommunalpolitischen Thema, der Förderung der Handwerks und der Verarbeitung ökologischer Erzeugnisse.

 

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