In einer Zwischenbilanz nach mehr als der Hälfte der Legislaturperiode lobten CDU und SPD ihre Zusammenarbeit im Wetterauer Kreistag. Unsere Zwischenbilanz anders aus. Nehmen wir doch mal die Aprilsitzung des Kreistags als Beispiel für das Handeln dieser Koalition.Themen und Diskussionen werden vermieden, verschoben oder ignoriert, es wird auf Zeit gespielt und die Kreisangelegenheiten ohne größeren Ehrgeiz verwaltet. Der Landrat und die beiden Dezernenten sind die Repräsentanten dieser lahmen Koalition, die sich in ihrer Macht eingerichtet hat. Mit ihren wohl kalkulierten öffentlichen Auftritten und einer inhaltsleeren Bilderflut als ob immer noch Wahlkampf wäre wollen sie das technokratische Verwalten mit Feelgood-Atmosphäre garnieren. Sie haben von der Vorgängerkoalition einen ausgeglichenen Haushalt geerbt, die Steuereinnahmen sind auf Rekordhöhe und vom Land gibt es knapp 30 Mio. € für den Schulbau. Das alles ist kein Verdienst dieser Koalition! So ist es nur folgerichtig, dass Altschulden zurückgezahlt, Kommunen entlastet und die Schulsozialarbeit endlich ausgebaut werden. Diese Koalition hat keinen Akzent gesetzt, der nicht schon vorher angelegt war oder sich aus günstigen Rahmenbedingungen ergibt. Stattdessen hat sie eine neue zweite Dezernentenstelle geschaffen, die wir nach wie vor für fragwürdig halten, die mindestens 200.000 € im Jahr kostet und die der GroKo wichtiger ist als z.B. eine zweite Stelle im Kreishaus zur Unterstützung der Gastronomie und des Ernährungshandwerkes in der Modellregion Ökolandbau. Den Themen der Zeit stellt sich diese Koalition nicht. Fragen des Klimaschutzes ignoriert sie. Sie verweist auf die Überarbeitung der Klimaschutzziele zum Ende des Jahres und baut stattdessen Ölheizungen in Schulen ein. Das Thema bezahlbarer Wohnraum verschleppt sie. Während die SPD in der Öffentlichkeit von einem kommunalen "Dachverband" redet, tut sich in der Koalition dazu nichts. Beim Thema Verkehr verweist sie auf den S6-Ausbau und die Reaktivierung der Horlofftalbahn, für die sie sicher am wenigsten kann. Geht es aber darum, sich als Wetteraukreis für einen besser funktionierenden Nahverkehr stark zu machen, dann taucht diese Koalition ab. So sieht sie es nicht unbedingt als ihre Aufgabe an, die Erarbeitung des Nahverkehrsplans aktiv zu begleiten oder sich für Entschädigungen der Wetterauer Fahrgäste sowie für funktionierende Anschlüsse einzusetzen. Es verwundert daher kaum, dass diese Koalition die Fridays-for-Future-Proteste zwar begrüßt, die Vertreterinnen und Vertreter der Schülerschaft aber nicht zu einem Austausch einladen will. Gleiches gilt für die Lehrerinnen und Lehrer, die die Kreistagsabgeordneten zum Entwicklungsplan für die Beruflichen Schulen im Kreis angeschrieben haben. Sie können ja zu den Ausschusssitzungen kommen - eingeladen werden sie nicht. Und das Thema Flächenverbrauch, dazu sagte Landrat Weckler im letztjährigen Wahlkampf, daß ein Ausgleich gefunden werden müsse zwischen dem Siedlungsdruck in die Wetterau und dem Erhalt der ihrer agrarischen Struktur. Die Realität sieht anders aus. 30 ha in Berstadt, 24 ha an der Kreisgrenze in Limeshain, 3,4 ha in Bad Vilbel wegen des Spaßbades, zusätzliche Flächen für eine Golfplatzerweiterung in Karben, weitere Straßenbauprojekte und an den Bedürfnissen der Mehrheit der Wohnungssuchenden vorbeigehender Eigenheimbau für Besserverdienende statt Mietwohnungsbau. - der Flächenfraß in der Wetterau setzt sich ungebremst fort. Das Kreishaus schweigt dazu. Statt ihren Einfluss und Spielräume für einen Wandel in derWetterau zu nutzen, versucht die GroKo im Mainstream kurzfristige Erfolge nach traditionellem Muster abzugreifen. Sie hält sie sich innovative Themen vom Leib, statt sich einzumischen, Position zu beziehen, lässt sie die überregional bedeutsamen Themen wie Klimaschutz und Flächenverbrauch einfach laufen. Die Wetterau hat wahrlich Besseres verdient als diese lustlose Koalition. In Zusammenarbeit mit Michael Rückl, Sylvia Klein und Katja Dombrowski

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